Dekanatskonferenz mit Bischof Dr. Gerhard Fürst

Kreis Rottweil (lh). Bei der Dekanatskonferenz des Dekanats Rottweil im Gemeindezentrum Waldmössingen sagte der Oberhirte der Diözese Rottenburg-Stuttgart: "Bei allem, was uns derzeit bedrängt, erlebe ich sehr viel Engagement. Besonders hat sich das in der Flüchtlingsbetreuung gezeigt".

Viele Mitglieder evangelischer und katholischer Gemeinden hätten sich bereit erklärt, Menschen in Not zu helfen und in kleinen Dingen des Alltags beizustehen. Für ihn stelle dies ein großes Hoffnungszeichen dar. In der Diözese gebe es viele Einrichtungen, die man gar nicht so im Blick habe. Aber genau dort lebe der Glaube. Da in Baden-Württemberg viele Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft betrieben würden, seien mehrere 10 000 Kinder religiös geprägt. Dieser Nachwuchs sei ein besonderer Schatz der Kirche. Über ihn erreiche man junge Familien. Schon allein deshalb dürfe auf diese Einrichtungen nicht verzichtet werden, betonte der Bischof.

In den Medien werde berichtet, dass der Kirche die Funktionäre ausgingen. Dieser Darstellung widerspreche er. Natürlich herrsche ein Priestermangel. Jährlich würden aber etwa 20 Gemeinde- und Pastoralreferenten neu aufgenommen. Bei der Ausbildung für diese Laiendienste gebe es sogar einen Zuwachs. Dieser Dienst verheirateter Diakone und Pastoralreferenten sei unverzichtbar, diese Entwicklung habe jedoch keinen Einfluss auf die Anzahl der Pfarrer. Etwa zehn Prozent der verheirateten Diakone und Pastoralreferenten befänden sich in Elternzeit. Die Diözese müsse sich die Frage stellen, wie sie mit dieser Situation umgehe. Eine Lösung wäre, zehn Prozent mehr auszubilden, sagt Fürst.

Die pastorale Kirche vor Ort mit Inhalten versehen, ist derzeit eine besondere Herausforderung. Er werde alles dafür tun, dass dieser Prozess gut zum Laufen komme, sagt  Pfarrer braucht als Ankerpunkt in Seelsorgeeinheit kraftvolle Unterstützung Fürst. Die Ortskirche müsse sich weiterentwickeln und sich neu aufstellen. Anders als beispielsweise Trier werde die Diözese Rottenburg-Stuttgart aber am bisherigen Konzept der Seelsorgeeinheit festhalten. Für einen leitenden Pfarrer bedeute es aber schon eine Kunst, in mehreren Gemeinden die vielen Dienste zu erfüllen.

In Arbeitsgruppen wurde bei dem Treffen intensiv diskutiert, um daraus Fragen an den Bischof zu formulieren, vor allem dazu, wo der Schuh drückt. Pfarrer Christian Albrecht ließ verärgert wissen, dass er für ein geplantes Projekt über drei Monate auf eine Auskunft von der Verwaltung der Diözese warten musste. Der Bischof meinte schmunzelnd, dass auch Kirche Bürokratie brauche. Dass den Leuten an der Basis wegen so etwas der Atem ausgehe, dürfe natürlich nicht sein. Fürst versprach, sich aber für eine schnellere Bearbeitung einzusetzen.

Andere Konferenzteilnehmer verwiesen auf die zunehmenden Belastungen im Ehrenamt. Da stoße man an Grenzen. Fürst zeigte sich zuversichtlich, dass sich passable Schnittstellen zwischen Haupt- und Ehrenamt finden lassen, um dem Gemeindeleben eine weiterhin gute Zukunft zu bescheren..

Sehr zufrieden äußerte sich der Rottweiler Dekan Martin Stöffelmaier über die familiäre Atmosphäre, in der sehr sachlich diskutiert worden sei. Er könne Lösungsansätze erkennen und habe das gute Gefühl, dass man sich nicht umsonst getroffen habe